Eine Übersicht der Baustellen der letzten Wochen

Wie viele von euch noch in Erinnerung haben, habe ich ein spezielles Verhältnis zu Baustellen. Angefangen hat dies mit der Baustelle am Zähringerplatz am 18.03.2014. Da ich zu meiner Verteidigung gegen den Bußgeldbescheid noch die verkehrsrechtliche Anordnung der Baustelle brauchte, ging ich zur Straßenverkehrsbehörde. Ich wollte bei der Gelegenheit mit dem Verantwortlichen über die Beschilderung reden und andere Möglichkeiten der Verkehrsführung aufzeigen. Dazu fotografierte ich auch die Baustelle in der Wollmatingerstraße auf Höhe des DM-Marktes. Diese Baustelle exestiert heute noch in verkürzter Form.

Die Baustelle in der Wollmatingerstraße

Die Baustelle in der Wollmatingerstraße

Ich ging also mit der Erwartung dort hin, dass ich nacher mit einem Kompromiss, zumindest aber einem Denkanstoss rausgehe. Da lag ich aber leider vollkommen falsch. Zuerst ging es um die Baustelle am Zähringerplatz, mir wurde von vornherein unterstellt, man hätte mich dort zurecht bebußt. Ich versuchte dem Sachbearbeiter klar zu machen, dass sich Zeichen 254 254und 240240 auf ein und der selben Straße widersprechen und somit ein Zeichen nichtig ist. Dieser Hinweis wurde immer wieder abgeblockt mit den Worten, es sei ja mit dem Zeichen 254254 nur die Fahrbahn gemeint gewesen. Auf meine Frage warum man den Radverkehr nicht auf die Fahrbahn gelenkt habe, da dort zu dem Zeitpunkt durch Zeichen 274-53274-53eine zHg von 30 km/h angeordnet wurde, bekam ich die Antwort der Verkehr dort sei doch viel zu stark und der Radverkehr bräuchte einen sicheren eigenen Weg. Die freie Wahl, ob Fahrbahn oder Parkplatz, wollte man dem Radfahrer auch nicht lassen. Nur widerspricht dies eindeutig der ERA 2010. Dort wird nämlich erst ab 2100 KFZ in der Stunde eine Trennung von dem KFZ Verkehr als unerlässlich deklariert. Dies wären mehr als 50400 KFZ am Tag, mindestens. Für die Theodor-Heuss-Straße wohl arg weit hergeholt. Das der Radverkehr dort in der Baustelle auf dem „Radweg“ besonders bei der Überquerung der Querstraßen mehr als nur gefährdet wurde, wurde konsequent verneint. Meine Hinweise darauf, dass dort keine Furten markiert waren und der querende Verkehr somit nicht mit dem Radverkehr auf dem Parkplatz rechnete wurde als „Ansichtssache“ abgetan. Das Zeichen 123 123 würde angeblich den Verkehrsteilnehmer genügend auf eine geänderte Verkehrsführung hinweisen.

Aber es wird noch besser.

Ich zeigte dem Sachbearbeiter die Baustelle in der Wollmatinger Straße. Ich wollte von ihm folgende Sachen wissen.

  1. Warum wird hier das nichtssagende Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ aufgestellt?
  2. Warum wurde Zeichen 241-30241-30 an der vorigen Kreuzung nicht ausgestrichen, sondern der Radverkehr von der Kreuzung bis zur Baustelle weiterhin auf den plötzlich endenden Radweg geleitet?
  3. Warum hat man den Radverkehr trotz Zeichen 274-53274-53 nicht auf die Fahrbahn geleitet?
  4. Sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass die Radfahrer und Fußgänger sich hier selbst überlassen werden?

Auch hier gab es nur hanebüchene Antworten. Zuerst wurde das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ als verpflichtendes Schild für den Radfahrer hingestellt. Das ist zum Glück kompletter Humbug. Denn ein Zusatzzeichen unter einem Zeichen 239239 ist nur für diejenigen, welche zum Beispiel diesen Weg zusätzlichen nutzen möchten. Beispiel hier wäre ein Zusatzzeichen „Radfahrer frei“. Es würde dem Radfahrer die Möglichkeit geben, falls er es möchte, den Gehweg im Schritttempo zu befahren.
Ein Gebot für den Radfahrer hier abzusteigen, bis zum Ende der Baustelle zu schieben und ein Verbot die Fahrbahn zu benutzen, ist dieses Schild nämlich in keinster Weisse. Denn Zeichen 239 sagt hier selbst, dass der Radfahrer auf die Fahrbahn auszuweichen hat oder auf dem Gehweg schieben muss. Heisst der Radfahrer, der die Baustelle kennt, fährt bei der vorigen Kreuzung vom Radweg runter auf die Fahrbahn und gliedert sich in den Fahrbahnverkehr ein. Dies ist vollkommen legal, denn das Zeichen 241241-30 ist in diesem Falle nichtig. Nun ist der Sachbearbeiter aber strikt der Meinung, dass Zusatzzeichen würde dem Radfahrer die Weiterfahrt auch auf der Fahrbahn verbieten. Dazu müsste er aber Zeichen 254254 aufstellen. Dieses wäre zwar rechtswidrig bis zur Klärung aber für den Radfahrer leider bindend.

Nun kamen wir zum zweiten und dritten Punkt, warum der Radverkehr nicht einfach zuvor auf die Fahrbahn geleitet wurde. Hier kam wieder das Totschlagargument „Zuviel Verkehr“. Natürlich ist das wieder totaler Humbug, denn sollte kein dem technischen Stand der ERA 2010 entsprechender Radweg zur Verfügung stehen ist der Radverkehr auf der Fahrbahn fahren zu lassen. Denn was ist der Unterschied zwischen einem Radfahrer und einem Mofa-Fahrer? Ich habe diese Frage gestellt und bekam die Antwort 25 km/h seien eine sportliche Geschwindigkeit eines Radfahrers. Nur blöd, dass dies die normale Reisegeschwindigkeit eines Radfahrers 20-25 km/h beträgt, dazu muss man nicht mal sportlich ambitioniert sein. Wir erinnern uns, es war sowieso 30 km/h als zHg angeordnet. Dann äusserte ich den Vorschlag, man könnte doch die Parkplätze vorübergehend entfernen und dafür einen Radfahrstreifen bis zur Baustelle auf die Fahrbahn malen. Kurz vor der Baustelle würde der Radfahrstreifen zum Schutzstreifen. Der Schutzstreifen würde den Radfahrer in den Mischverkehr mit dem übrigen Verkehr führen und ihn sicher mittig durch die Baustelle bringen. danach könnte er einfach aufhören und der Radfahrer wieder auf den Radweg wechseln.
Dies wurde damit abgetan, dass man schliesslich eine Mindestbreite von 3,50 Metern in der Baustelle bräuchte, damit auch LKWs durchkommen. Dies wäre nicht möglich. Ich klärte ihn auf das ein Schutzstreifen nach der StVO auch durch andere Fahrzeuge bei Bedarf befahren werden dürfen, solange kein Radfahrer gefährdet wird. Dies wurde wieder mit dem Argument „Zuviel Verkehr“ abgetan. Wohl gemerkt in der ERA 2010 wird ein Schutzstreifen, so sollte die Errichtung eines Radweges möglich sein, selbst dann noch empfohlen, wenn 1900 KFZ in der Stunde die Stelle passieren. Das Argument ist also komplett an den Haaren herbeigezogen.

Bei Punkt 4 wurde es dann völlig absurd. Mir wurde unterstellt, ich wolle das der Radfahrer machen kann was er will. Ich würde wollen, dass sich der Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln zu halten hat.
Nun ich bin, besonders auf dem Fahrrad, ein Verfechter der Verkehrsregeln und -zeichen, soweit sie Sinn machen und sich nicht durch Nichtigkeit selbst ins Ausseits schießen. Ich möchte das der Radverkehr genau wie der KFZ-Verkehr behandelt wird, und nicht als besserer Fußgänger. Angeblich wäre das Schild aussagekräftig genug, um den Radfahrer zum Absteigen zu bewegen. Allerdings ist es doch so, dass die meisten Radfahrer sich daran, verständlicher weisse, nicht halten. Denn warum soll der Radverkehr auf seine Weiterfahrt verzichten? Nur damit der Spruch „Freie Fahrt für freie Autobürger“ weiter bestand hat?
Das Resultat sind gefährliche Situation für Radfahrer und Fußgänger. Nur damit mal wieder gesagt werden kann „Der drecks Radfahrer hält sich doch eh an keine Regeln!“. Ja wie soll auch ein Radfahrer sich als Verkehrsteilnehmer fühlen, wenn er ständig diskriminiert wird. Aber ich schweife ab. Hier ein Beispiel der gefährlichen Situationen.

Am Ende bin ich also aus diesem Gespräch gegangen, ohne das ich sagen könnte, dass ich wenigstens einen Denkanstoß erreichen konnte. Ich empfinde das sehr schade und es zeigt leider auf, wie extrem klein und unbedeutend der Radfahrer in Konstanz von den zuständigen Personen der Straßenverkehrsbehörde gehalten wird. Leider sind diese Baustellen völlig exemplarisch und ständiger Alltag in Konstanz. Wenn eine Behörde so mit Verkehrsteilnehmern umgeht, muss sich diese nicht wundern, wenn es bei einigen Radfahrern nicht weit her mit der Regelakzeptanz ist. Es müssen endlich die Ursachen in den eigenen Reihen bekämpft werden, anstatt dem Radfahrer auf der Straße das Leben zur Hölle zu machen. Dieser Aufruf geht auch an die Polizei. Ihr nehmt sehr oft Unfälle mit Personenschäden auf, es wäre mal Zeit etwas zu ändern, und zwar schleunigst. Der Masterplan Mobilität wird es nämlich nicht richten.

Ich werde die Tage noch ausführliche Berichte zu einigen Baustellen schreiben und die zuständigen Stellen anschreiben bzw. ggf. zu Gesprächen besuchen. Denn so wie es jetzt ist kann es eindeutig nicht weitergehen.

Zum Schluss hätte ich euch noch einen super Beitrag von Bernd Sluka, dem Radfahrerlobbyisten schlecht hin, zu dem Thema „Zusatzzeichen >Radfahrer absteigen<“ Klick

4 Responses to Eine Übersicht der Baustellen der letzten Wochen

  1. Bodenseepeter 29. Juli 2014 at 9:03 #

    Gut, dass du dich dem Thema annimmst!
    LG, Peter

    • Jascha Beuttler 30. Juli 2014 at 1:05 #

      Vielen Dank. Aber auf Änderungen kann man hier in der Stadt ja wohl bekanntlich leider lange warten ^^

  2. Dani 19. Oktober 2014 at 14:42 #

    Gibt’s eigentlich was neues wegen der Bußgeldsache am Zähringerplatz? Gerichtstermin am AG?

    • Jascha Beuttler 19. Dezember 2014 at 1:37 #

      Ja gibt es, dazu werde ich noch was schreiben. Kurzum ich wurde zu einer Geldbusse von 20€ verurteilt wegen fahrlässiger Missachtung von Zeichen 240 (gemeinsamer Geh- und Radweg). Durch Internetschwierigkeiten wird das wohl auch leider noch dauern.

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